Bei den rheumatischen Erkrankungen unterscheidet man zwischen den entzündlichen und den nichtentzündlichen Erkrankungen (Siehe auch: Wie unterscheidet man Arthrose von Arthritis?).

Entzündliche Erkrankungen (bedingt durch das Immunsystem)

Rheumatoide Arthritis ist die häufigste immunologisch bedingte entzündlich rheumatische Erkrankung. Sie verläuft zumeist schubweise, geht mit entzündlichen Schwellungen der Gelenkinnenhaut einher und sollte unbedingt so früh wie möglich behandelt werden, um Gelenkzerstörungen zu verhindern. Mit Basistherapeutika ist sie allerdings meist gut behandelbar.

Juvenile idiopathische Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Die Erkrankung macht sich sehr unterschiedlich bemerkbar, daher ist auf alle Fälle eine Abklärung durch einen Facharzt notwendig. Erste Anzeichen sind Schmerzen sowie geschwollene, überwärmte Gelenke. Juvenile idiopathische
Arthritis erfordert einen individuellen Therapieplan (Kombination aus Medikamenten, Physiotherapie, Ergotherapie, psychosozialer Unterstützung).

Systemischer Lupus erythematodes ist eine Autoimmunerkrankung, die überwiegend schubweise verläuft. Den Namen erhielt die Erkrankung aufgrund der oft auftretenden Hautveränderungen im Gesicht: Rötungen und Vernarbungen sehen wie ein „Wolfsausschlag“ (lat. lupus: Wolf; griech. erythematodes: rot) aus. Solche schweren Hautbeteiligungen treten allerdings heute aufgrund der viel besseren Behandlungsmöglichkeiten nur mehr sehr selten auf. Die Krankheit kann mit Entzündungen der Haut, der Gelenke, des Nervensystems und der inneren Organe einhergehen. Aufgrund sehr verschiedener Ausprägungen und Verteilungsmuster kann sich der SLE klinisch entsprechend unterschiedlich auswirken. Im Allgemeinen leiden die meisten Betroffenen an Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Fieber, Schwäche oder Gewichtsverlust können auftreten. Eine ausführliche Anamnese und gründliche klinische Untersuchung bilden auch beim SLE die Basis der Diagnose. Darüber hinaus müssen bildgebende Verfahren und Labortests zur Bestätigung herangezogen werden. Die Bestimmung der vom Immunsystem gegen die körpereigenen Strukturen gerichteten Autoantikörper ist bei Vorliegen charakteristischer Symptome von hoher diagnostischer Bedeutung. Der ledigliche Nachweis von Autoantikörpern im Blut ohne klinische Beschwerden bzw. ohne Nachweis einer Entzündung innerer Organe ist aber keine Grundlage für eine Behandlung. Eingehende klinische Untersuchungen einschließlich der Bestimmung des sogenannten Rheumastatus, Herzultraschalluntersuchung, Harnsediment usw. können notwendig sein. Da der SLE kein „einheitliches Krankheitsbild“ darstellt und das Ausmaß der Entzündung bzw. von Folgeschäden höchst unterschiedlich sein kann, muss auch die Therapie für jeden Patienten/jede Patientin individuell festgelegt werden. Eine Reihe unterschiedlicher Medikamente, die zum Teil die überschießende und fehlgeleitete Aktivität des Immunsystems und damit den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, kommen dabei zum Einsatz. Auch Kombinationen der zur Verfügung stehenden Therapeutika sind im Einzelfall sinnvoll.

Spondyloarthritis (früher: Morbus Bechterew) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Kreuz-Darmbein-Gelenke und eventuell der kleinen Wirbelgelenke. Typisch sind tief sitzende Schmerzen im Gesäßbereich sowie Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule. Zusätzlich ist eine Einschränkung der Beweglichkeit der Wirbelsäule möglich. Spondyloarthritis muss medikamentös therapiert werden, zudem spielt regelmäßige Gymnastik eine entscheidende Rolle bei der Behandlung.

Psoriasisarthritis: Tritt Schuppenflechte gemeinsam mit Gelenkentzündungen auf, spricht man von Psoriasisarthritis. Männer und Frauen sind von dieser Erkrankung gleichermaßen betroffen. Die genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Das Erscheinungsbild ist vielfältig und kann sich vor allem in Form von Wurstfingern und -zehen äußern. Eine frühzeitige Behandlung kann Gelenkzerstörungen verhindern.

Polymyalgia rheumatica: Bei Polymyalgia rheumatica richtet sich das Immunsystem aufgrund einer Überaktivität gegen den eigenen Körper. Typische Kennzeichen sind ein akuter Krankheitsbeginn und heftige Schmerzen in der Schulter- und Beckengürtelmuskulatur. Die Erkrankung ist jedoch sehr gut behandelbar.

Entzündliche Erkrankung (bedingt durch erhöhte Harnsäure)

Gicht ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, die durch Harnsäurekristalle in den betroffenen Gelenken hervorgerufen wird. Typische Symptome sind Schwellung von Gelenken und starke Schmerzen. Zumeist sind Männer zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr (oftmals besteht Übergewicht) betroffen. Frauen sind in der Regel erst nach den Wechseljahren betroffen. Die Ernährung spielt bei der Entstehung von Gicht eine entscheidende Rolle. Die Umstellung der Ernährung ist daher eine wichtige Grundsäule der Therapie.

Nichtentzündliche rheumatische Erkrankungen (nichtentzündlich)

Arthrose ist eine degenerative rheumatische Gelenkerkrankung und betrifft in Österreich rund 1,4 Millionen Menschen. Sie tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf und beginnt meist zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr, mitunter jedoch auch schon früher (z. B. nach einem Unfall oder einer Verletzung). Der Rheumatologe kann mittels Begutachtung und klinischer Untersuchung zwischen einer entzündlichen Gelenkerkrankung (chronische Polyarthritis, reaktive Arthritis usw.) und einer Osteoarthrose unterscheiden. Mittels einer Röntgenuntersuchung der schmerzhaften Gelenke wird die Diagnose gesichert. Vereinzelt ist der Einsatz einer Kernspintomografie (MR) zur weiteren Abklärung notwendig. Der Nachweis des sogenannten „Rheumafaktors“ im Blut hat keinen diagnostischen Wert, da weder ein positiver Rheumafaktor eine rheumatologische Erkrankung beweist noch bei einem negativen Rheumafaktor eine solche ausgeschlossen werden kann.

Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung mit Schmerzen im Bewegungsapparat, die nicht entzündlich und nicht deformierend verläuft. Die Beschwerden sind sehr vielfältig, unter anderem treten Schmerzen der Muskulatur und des Bindegewebes auf. Die Ursachen sind unbekannt; Wissenschafter gehen von einer Störung der Schmerzverarbeitung aus. Die Krankheit ist nicht heilbar. Die Therapie ermöglicht den Betroffenen jedoch einen aktiven Lebensstil.